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Wissen · Bearbeitung

Kunststoff fräsen: CNC-Bearbeitung von Acrylglas bis technische Kunststoffe

Kurz gesagt

Beim Fräsen trägt ein rotierendes Werkzeug Material spanend ab und bringt eine Kunststoffplatte so in eine präzise dreidimensionale Form – Konturen, Taschen, Bohrungen, Gravuren. CNC-gesteuert geschieht das wiederholgenau nach Zeichnung, vom Einzelteil bis zur Serie. Entscheidend für ein sauberes Ergebnis sind scharfe Werkzeuge, die richtige Drehzahl und ausreichende Kühlung – sonst schmilzt der Kunststoff an der Schnittkante.


Wer Kunststoffteile millimetergenau und reproduzierbar braucht, kommt am Fräsen kaum vorbei. Anders als das Sägen, das nur trennt, formt das Fräsen die Fläche selbst – mit definierten Radien, Aussparungen und Konturen. Dieser Beitrag erklärt, wie das CNC-Fräsen von Kunststoff funktioniert, welche Materialien sich eignen, worauf es bei Drehzahl und Kühlung ankommt und wann sich das Fräsen-lassen gegenüber anderen Verfahren lohnt.

Was ist CNC-Fräsen von Kunststoff?

Fräsen ist ein spanendes Verfahren: Ein rotierender Fräser fährt über das fest aufgespannte Werkstück und trägt dabei Material ab, bis die gewünschte Form entsteht. Beim CNC-Fräsen (Computerized Numerical Control) steuert ein Rechner die Bewegung in mehreren Achsen – bei modernen 3- und 5-Achs-Zentren auch über komplexe, gewölbte Geometrien hinweg. Das Ergebnis ist reproduzierbar: Jedes Teil einer Serie fällt identisch aus.

Im Unterschied zum Sägen und Zuschneiden, das eine Platte nur trennt, und zum Laserschneiden, das thermisch eine 2D-Kontur ausschneidet, arbeitet das Fräsen mechanisch und dreidimensional: Es erzeugt Taschen, Stufen, Senkungen, Innenkonturen und Bohrungen in einem Arbeitsgang. Damit ist es das flexibelste der drei Verfahren – und das einzige, mit dem sich echte Bauteile statt flacher Zuschnitte herstellen lassen.

Wie funktioniert das Fräsen von Kunststoff?

Kunststoff verhält sich beim Fräsen anders als Metall: Er leitet Wärme schlecht ab und erweicht bei punktueller Reibungshitze. Reißt der Span nicht sauber ab, schmilzt das Material an der Schneide, verschmiert und hinterlässt eine raue, trübe Kante. Vier Faktoren entscheiden über das Ergebnis:

Spannungsfrei aufspannen. Das Werkstück muss plan und ohne Verzug fixiert sein, sonst drohen maßhaltige Abweichungen.

Scharfes Werkzeug. Ein- oder zweischneidige Hartmetallfräser mit guter Spanabführung; stumpfe Werkzeuge erzeugen Hitze statt Schnitt.

Drehzahl und Vorschub abstimmen. Für Acrylglas liegt die Spindeldrehzahl je nach Fräserdurchmesser typischerweise zwischen 12.000 und 18.000 U/min, bei moderatem Vorschub.

Kühlung und Zustellung. In mehreren flachen Zustellungen von etwa 1 bis 4 mm arbeiten; bei vielen Acrylglas-Arten gelingt das ohne Kühlung, dickere oder zähere Materialien werden gekühlt.

Wird in mehreren flachen Durchgängen gefräst, bleibt die Schnittkante kühl und nahezu transparent – bei Acrylglas oft ohne Nacharbeit. Soll die Kante zusätzlich glasklar werden, folgt das Polieren als eigener Arbeitsschritt.

Welche Kunststoffe lassen sich fräsen?

Grundsätzlich lassen sich alle gängigen Thermoplaste fräsen – die Parameter unterscheiden sich nach Härte, Wärmeverhalten und Sprödigkeit. Diese Materialien fräsen wir am häufigsten:

Acrylglas (PMMA) – sehr gut fräsbar, glänzende Kante schon roh möglich; spröde, daher mehrere flache Zustellungen. Platten bis rund 30 mm Dicke sind problemlos bearbeitbar.

Polycarbonat (PC) – schlagzäh, etwas zäher im Span; sauber bei scharfem Werkzeug und Kühlung.

POM (Polyoxymethylen) – der Klassiker für Präzisions-Frästeile: maßhaltig, formstabil, enge Toleranzen, top Oberfläche.

PE / HD-PE und PP – weich und zäh; brauchen scharfe Werkzeuge und guten Spanabtransport, sonst schmieren sie.

PVC – gut zerspanbar, fester Span; verbreitet im Apparate- und Behälterbau.

PTFE und technische Kunststoffe – weich, schmierig im Schnitt; mit angepassten Parametern und Erfahrung sauber zu bearbeiten – hier trennt sich der Lohnfertiger vom Heimwerker.

Eine ausführliche Gegenüberstellung der Werkstoff-Eigenschaften finden Sie in unserer Werkstoffkunde.

Fräsen, Sägen oder Lasern – welches Verfahren passt?

Die drei Bearbeitungsverfahren ergänzen sich, sie konkurrieren nicht: Sägen und Zuschnitt trennt Platten gerade und schnell, Laserschneiden liefert filigrane 2D-Konturen mit polierter Kante (aber nicht für jeden Kunststoff geeignet), und Fräsen ist die Wahl, sobald es dreidimensional wird: Taschen, Senkungen, Innenausschnitte, Konturen mit definiertem Radius, Bauteile statt Flachzuschnitte. Häufig kombinieren wir die Verfahren – etwa wenn ein gefrästes Bauteil aus einer gesägten Platte entsteht. Einen Überblick über alle Verfahren gibt unsere Kunststoffbearbeitung.

Ob Prototyp, Einzelteil oder Serie: Bei der semper-plastic B. Pomian GmbH in Roßtal fräsen wir Kunststoff nach Ihrer Zeichnung – mit über 55 Jahren Erfahrung in der Kunststoffbearbeitung (gegründet 1970) und zertifiziert nach DIN ISO 9001. Schon ab Losgröße 1. Schicken Sie uns Ihre Zeichnung oder Ihr Muster, wir melden uns mit einem Vorschlag. Frästeil anfragen.

Häufige Fragen zum Kunststofffräsen

Kann man Acrylglas und Plexiglas fräsen?

Ja. Acrylglas (PMMA) zählt zu den am besten fräsbaren Kunststoffen. Mit scharfem Hartmetallfräser, hoher Drehzahl und mehreren flachen Zustellungen entsteht eine saubere, oft schon glänzende Kante – bei vielen Acrylglas-Sorten sogar ohne Kühlung. Plexiglas® ist dabei nur ein Markenname für Acrylglas; frästechnisch ist es dasselbe Material.

Welcher Fräser eignet sich für Kunststoff?

Empfehlenswert sind ein- oder zweischneidige Vollhartmetall-Fräser mit guter Spanabführung. Die eine Schneide sorgt für genug Spanraum, damit das Material nicht schmilzt. Der Fräserdurchmesser richtet sich nach der Plattenstärke – für Platten bis etwa 10 mm genügen 6 mm, dickere Platten verlangen größere Durchmesser.

Welche Drehzahl braucht man beim Kunststofffräsen?

Das hängt von Material und Fräserdurchmesser ab. Für Acrylglas liegt die Spindeldrehzahl meist zwischen 12.000 und 18.000 U/min bei moderatem Vorschub. Wichtiger als ein fixer Wert ist das Zusammenspiel aus Drehzahl, abgestimmtem Vorschub und flacher Zustellung, damit die Kante kühl bleibt und nicht verschmilzt.

Kann man POM und technische Kunststoffe fräsen?

Ja – POM ist sogar einer der besten Werkstoffe für Präzisions-Frästeile, weil er maßhaltig und formstabil ist und enge Toleranzen erlaubt. Auch technische Kunststoffe wie PE, PP, PVC oder PTFE lassen sich fräsen; sie verlangen wegen ihres weichen, zähen Spanverhaltens aber angepasste Parameter und Erfahrung.

Was kostet es, Kunststoff fräsen zu lassen?

Der Preis hängt von Material, Geometrie, Toleranz und Stückzahl ab – eine Pauschale gibt es nicht. Maßgeblich sind Programmier- und Rüstaufwand, Bearbeitungszeit und Materialeinsatz. Für ein belastbares Angebot genügt uns Ihre Zeichnung oder ein Muster; gefräst wird bereits ab Losgröße 1.

Ihr Frästeil aus Kunststoff

Schicken Sie uns Zeichnung oder Muster – wir prüfen Material, Geometrie und Toleranzen und melden uns mit einem Vorschlag. Schon ab Losgröße 1.

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